Anselm Kiefer's geklaute Skulpturen
Der international bekannte und anerkannte deutsche Maler und Plastiker Anselm Kiefer lebte und arbeitete zwischen 1993 und 2008 in einer ehemaligen Seidenfabrik (La Ribaute) bei Barjac (einem hübschen größeren Dorf, etwa 12 km von unserem Ferienhaus entfernt).
Ende 2007 trug sich dort Kurioses zu, wie uns Einheimische im Sommer dann berichteten:
Anselm Kiefer stellte seiner Wahl-Gemeinde Barjac einige große, tonnenschwere Plastiken aus Blei zur Verfügung, die im Dorf aufgestellt wurden. Der Wert dieser Kunstobjekte von einem anerkannten zeitgenössischen Künstler war sicherlich beachtlich. Doch die Freude währte nicht lange. Nach kurzer Zeit waren die Plastiken verschwunden, gestohlen!
Die örtliche Gendarmerie ermittelte, der Teufel war los. Der Künstler stinksauer, keine Spur von den Tätern oder den Kunstobjekten. Man munkelte, das müssten sicherlich Profis gewesen sein, eventuell würde Lösegeld verlangt oder ein reicher Sammler stecke dahinter, der den Diebstahl in Auftrag gegeben habe.
Es schaltete sich auch Kriminalpolizei aus der Stadt ein, um die Dorfgendarmerie zu unterstützten. Ein findiger Kriminaler kam auf die Idee, der Diebstahl sei eventuell gar nicht als Kunstraub motiviert, sondern könne ein ganz ordinärer Diebstahl von Metall sein. Und so war es denn auch:
Einige Schrott- und Altmetallhändler der Umgebung hatten die Blei-Skulpturen wegen des Metalls geklaut. Der Wert des Bleis war immerhin einige tausend Euro. Dass die Skulpturen auf dem Kunstmarkt einen Schätzwert von über 3 Millionen Euro hatten, wussten die Einfaltspinsel gar nicht. Die Polizei konnte Reste auf den Schrottplätzen sicherstellen, einiges des Metalls war leider schon weiterverarbeitet worden, zum Beispiel zur Abdichtung eines Bootskiels.
Nun war der Künstler natürlich erst recht sauer: Diese Ignoranten und Kunstbanausen hatten sein Werk als Schrott und Altmetall herabgewürdigt. Unfassbar. Sicherlich wäre ihm ein Profi-Kunstdieb lieber gewesen.
Anselm Kiefer lebt seit 2008 angeblich nicht mehr in Barjac. Er hat diesem wunderschönen Dorf angeblich den Rücken gekehrt und seine Ateliers dort erst mal verlassen. Er arbeitet nun wieder in Deutschland.
Savoir voler!.